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Das is wohl der Text mit dem ich das schreiben anfing und begriff, dass ich aus den beschissensten Themen was amchen kann. Oder was würde euch zum Thema: "Nadelspitze" einfallen?!



Tötende Blicke


Mit schweißnassen Händen mache ich mich auf den Weg zur Schule. Ich habe Angst. Was wird heute wieder kommen? Werden sie mich wieder so niedermachen wie immer? Alles Fragen, die mich täglich auf meinem Schulweg beschäftigen. Es wird wieder die Hölle werden, warum sollte es anders sein als sonst?
„Oh, da ist sie ja wieder, diese kleine armselige Streberin! Lehrertaschenträgerin!" Wie immer, man begrüßt mich mit dummen Kommentaren. Diese Ziege mit ihren langen blonden Haaren ist die Anführerin der Schlammschlacht gegen mich. Nach außen wahre ich den Schein der Harten und Unnahbaren, aber innerlich, da geht es mir sehr an die Nieren. Die Worte, alleine schon diese Blicke machen mich fertig. Dieser feindseelige Ausdruck in den Augen meiner Mitschüler, ekelhaft. "Na, willst du nicht wieder dem Briest die Tasche tragen?", lacht das brünette Biest . Nie habe ich dem Briest die Tasche getragen. Nie! Ich bin mit ihm zur Schule gelaufen, er wollte mit mir reden. Na und? Der Kumpel dieser Tussis hat uns natürlich gesehen und den anderen erzählt, ich hätte die Tasche getragen. Von ihm hätte ich das nicht erwartet, denn er ist eigentlich anders. Er ärgert mich nie wenn mich die anderen wieder quälen. Mir zu helfen, das traut er sich wahrscheinlich doch nicht.
Als ich das Klassenzimmer betrete und mich an meinen Platz setze geht der Terror weiter. Man bewirft mich mit Zetteln auf denen gemeine Sprüche stehen. Wie immer ignoriere ich die dummen Bemerkungen. Wie lange ich das noch kann, steht in den Sternen. Ich weiß nur, dass ich irgendwann mit voller Kraft zurückschlagen werde. Den ganzen Stichen auf meiner Seele ein für alle mal ein Ende setzen!
Natürlich, wie sollte es anders sein, stehe ich in der Pause alleine. Normal macht mir das nichts aus, nur manchmal, so wie heute. Ich fühle mich alleine und habe einen Hass auf diese verdammte Welt. Neidisch sehe ich zu den kleinen Gruppen, die lachend und redend in der Pause zusammenstehen. Das einzige, was mich heute auf den Beinen hält, ist der Unterricht, denn da bin ich gut, kann glänzen und ernte wenigstens von meinen Lehrern etwas Anerkennung. Meine Mitschüler werden es nie schaffen, mich von der Schule zu ekeln. Bevor ich es soweit kommen lasse, passiert etwas Schreckliches.
Der Unterricht geht weiter und damit auch die Hänseleien der anderen. Man nennt mich Strebsau, Mamakind und man sagt, ich sei unmodisch.
Ich interessiere mich für Schule, meine Mami ist meine beste Freundin und näht mir meine Klamotten selbst. Ist das etwa der Grund, warum sie mich hänseln?
In der Pause auf dem Klo erwartet mich eine böse Überraschung: Das blonde Gift mit ihren eisigen blauen Augen, und ihre Clique lauern mir auf und reißen mir meine Schultasche vom Rücken um dann meine Hefte langsam in der Kloschüssel ertrinken zu lassen. Als ich versuche zu retten, was zu retten ist, zieht mich das Gift mit aller Gewalt an den Haaren zurück und droht mir, während ich vor Schmerz aufschreie, ich solle bloß meinen Mund halten, sonst sei ich dran. Ruckartig lässt sie meinen Kopf los, so dass ich damit auf den Spülkasten knalle und meine Hefte damit selbst in die städtische Kläranlage befördere. Während ich in Tränen ausbreche, verlässt der Hühnerhaufen lachend die Toilette.
Völlig fertig und ohne Hefte sitze ich nun im Unterricht. Natürlich habe ich auch noch einen Tadel vom Lehrer kassiert, weil ich meine Hefte zu Hause "vergessen" habe. Ja toll, ich kann ihm wohl kaum sagen, dass meine Aufzeichnungen ihren Alltag nun in der Kanalisation fristen. Ich kann den hämischen Blick nicht mehr ertragen. Sie stechen einmal mehr auf meiner Seele und ich weiß, dass der Tag an dem ich mich für alles rächen werde, in nicht gar zu entfernter Zukunft liegt.
Auch er sieht mich mitleidig an, doch das macht mich nur noch wütender. Was nützen seine Blicke, wenn er mir nicht hilft? Verdammt, er soll endlich seinen Mund aufmachen und sagen was er denkt. Klar, dazu ist er zu feige, er kann sich doch nicht zu einer wie mir bekennen. Schade eigentlich, denn er ist nett und außerdem sieht er gut aus. Manchmal denke ich, er mag mich auch, zumindest ein bisschen. Aber das kann ich mir gleich aus dem Kopf schlagen, schließlich ist er der beliebteste Junge in der ganzen Schule. Im Krassen Gegensatz zu mir, ich bin ja beliebt wie Fußpilz! Seine braunen süßen Locken und sein knackiger Po den er stets in T- Porter-Hosen verpackt! Er ist einfach zum dahinschmelzen.
Nach dem Unterricht mache ich mich mit schnellen Schritten auf den Weg nach Hause. Nur weg aus dieser Hölle. Keine Stiche mehr, Friede für meine Seele. Meine Mitschüler rufen mir noch hinterher, dass ich dem Briest die Tasche tragen soll. Als mich Mr. Erotik verfolgt, laufe ich automatisch schneller. Ich habe zwar keine Ahnung was er im Schilde führt, aber ich habe nach diesem Tag auch keine Lust noch irgend jemandem überhaupt ins Gesicht sehen zu müssen. Ich habe die Nase gestrichen voll und bin froh, als ich endlich unser Haus erreicht habe und die schützende Wohnungstür hinter mir schließen kann, denn nach irgendwelcher Gesellschaft steht mir heute wirklich nicht der Sinn. Als ich mein Zimmer erreiche, weine ich bitterlich. Ich bin in diesem Moment das erste Mal in meinem Leben froh alleine zu sein. Ich will nicht, dass mich jemand in diesem Augenblick der Schwäche sieht, denn es wäre verehrend. Am Ende müsste ich noch die ganze Geschichte erzählen und das wäre das letzte, wozu ich Lust hätte.
Immer wieder stelle ich mir unter Tränen die Frage: "Warum?! Warum?? Was habe ich getan, dass ich so geärgert und verspottet werde?" Doch ich weiß gleichzeitig, dass wohl niemand die Antwort auf diese Frage kennt, vermutlich nicht einmal Gott. Obwohl ich sehr gläubig bin, zweifle ich zum ersten Mal in meinem Leben an Gott. Als ich erneut in Tränen versinke, kommt meine Mutter zur Tür herein und fragt mich, was los sei und warum ich hier einsam und weinend in meinem Zimmer sitze. „Verdammt!“, brülle ich sie an, „kann ich nicht einmal in meinem eigenen Zimmer meine Ruhe haben?" Als sie dann schützend ihren Arm um mich legt, bricht die eiserne Fassade ab. Ich erzähle ihr, stockend jede einzelne Greueltat genauestens. Ich lasse keine der Quälereien aus und schildere ihr, welche Hölle seit einem Jahr in der Schule auf mich wartet. Als ich fertig bin, sehe ich, wie auch meiner Mutter eine Träne über die Wange kullert. Auch sie fragt mich nach dem Warum, und ich kann es ihr verdammt noch mal nicht erklären. Wie auch, ich weiß es doch selbst nicht. Als sie mir anbietet mit meinem Klassenlehrer darüber zu reden, lehne ich das vehement ab. Ich glaube, dass mir da auch Briest nicht helfen kann. Daraufhin schlägt meine Mutter mit der Faust so auf den Tisch, dass ich zusammenzucke: "Wehr dich! Ich weiß, dass du es kannst und du weißt es doch auch, oder?" Ich schreie ihr ein „Und wie!“ entgegen und verlasse damit die Wohnung.
Als ich an einem Waffengeschäft vorbeikomme, schmiede ich einen teuflischen Plan. Auf einmal scheint es einen Weg zu geben, der alle Probleme lösen könnte. Bloß wie komme ich in meinem Alter an eine Waffe? Mit fünfzehn gibt es wohl hier in Deutschland keine Möglichkeit an eine Pistole zu kommen. Ich überlege, ob ich mir jemanden suche, der alt genug ist um mir eine zu kaufen. Nur wer tut das ohne zu fragen, wozu ich sie brauche. Da fällt mir Opas alter Revolver ein. In allen Farben male ich mir aus, wie ich mit dem Rewolver durch die Stadt laufe, die Schule betrete und mehr weiß als alle anderen. Dann könnte ich mich endlich wehren. Ich wäre die Größte, wenigstens für einen kurzen Augenblick, nur solange bis es klickt, einfach nur klickt. Und dann wird es ganz dunkel, dann muss ich nichts mehr sehen und nichts mehr hören. Einfach nur Stille, Totenstille!
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